Getan
Baustellenbericht
Posthof Zürich: Historie bewahren, Zukunft gestalten
Autor : Michael Buchegger — 26.03.2025
Das 1842 erbaute Gebäude befindet sich an prominenter Lage zwischen Paradeplatz und dem Fraumünster. Im Rahmen des komplexen Projekts werden durch die Absenkung der Bodenplatte und die Unterkellerung der Säulenhalle zusätzliche Retailflächen generiert. Das nachträglich eingezogene Zwischengeschoss wird entfernt, und die ursprüngliche Geschossigkeit wiederhergestellt. Bestehende Stuckaturdecken, sowie die markante Dachkuppel werden restauriert. Die Dachlandschaft wird in Anlehnung an den historischen Bestand, der während früherer tiefgreifender Umbauten zerstört wurde, zurückgeführt.
Quelle: Allreal Referenzobjekte
Wir haben den Zuschlag für die komplexe Entkernung und die statischen Rückbauarbeiten durch den vor Ort tätigen Baumeister Spleiss AG erhalten. Die Entkernung des Gebäudes stellte einen fundamentalen Eingriff in die Substanz dar, der eine präzise Planung und strikte Zusammenarbeit mit dem Baumeister erforderte.
Die Entkernungsmassnahmen umfassten sämtliche Innenausbauten des Gebäudes bis auf die Rohbaustruktur, was den Rückbau zahlreicher Bauteile beinhaltete. Die Arbeiten begannen mit der umfassenden Entkernung sämtlicher Wände, Decken und Böden. Bis zu dreifach abgehängte Deckenverkleidungen, die in mehreren Schichten und mit unterschiedlichem Materialaufwand installiert worden waren, sowie mehrfache Bodenaufbauten wurden ebenfalls entfernt, einschliesslich der Unterlagsböden und eingebrachten Schlackenschüttungen. Da die gesamte Haustechnik erneuert wird, wurden sämtliche alten haustechnischen Einbauten und Anlagen zurückgebaut und fachgerecht entsorgt.
Während der statischen Rückbauarbeiten wurde der alte Treppenhauskern, mitsamt Liftschacht, sowie sämtliche bestehenden Innenwände durch uns zurückgebaut. Die einzigen im Gebäude zurückbleibenden Bestandswände waren zwei denkmalgeschützte Treppenhauswände.
Da die Deckenlasten den Einsatz von schweren Baumaschinen verhinderten, konnten wir durch den Einsatz unserer Abbruchroboter in der Gewichtsklasse von 500 kg – 1.100 kg brillieren.
Ein herausragendes Merkmal der Baustelle war die Stahlkonstruktion, die das Gebäude vom Untergeschoss (UG) bis zum 5. Obergeschoss (OG) verstärkte und stützte. Diese massive Stahlkonstruktion hatte starken Einfluss auf den Rückbau und der damit verbundenen Rückbaumethode. Die grösste Herausforderung des Projekts lag dadurch auch im Rückbau des Untergeschosses. Da das bestehende Untergeschoss eine Raumhöhe von nur 2,20 Metern aufwies, beinhaltete den Abbruch der alten Bodenplatte mit anschliessender Aushubabsenkung, um dem neuen Untergeschoss eine Raumhöhe von 3,20 Meter zu verschaffen. Dies mit dem Ziel um die neuen Nutzungsanforderungen für zusätzliche Retailflächen im Gebäude zu erfüllen.
Die im Untergeschoss verlegte horizontale Stahlkonstruktion erschwerte den Rückbau des Untergeschosses erheblich. Um diese Herausforderung zu meistern, wurden über 2.000 m³ Aushub, Mischabbruch und Betonabbruch mit Kleingeräten und einem Menzi-Muck-Bagger aus dem Untergeschoss entfernt. Auf engstem Raum konnten wir den Aushub somit dennoch präzise und effizient bewältigen. Der Aushub erfolgte durch die örtlichen Platzverhältnisse im wahrsten Sinne des Wortes „unter Tage“.
Ein herausragendes architektonisches Element des Gebäudes ist die geschützte Kuppel, die als markantes Feature des Bauwerks gilt. Diese Kuppel stellt eine wertvolle historische Komponente des Gebäudes dar und wurde nach dem durch uns erfolgten Rückbau des Dachstuhls durch den Holzbauer demontiert.
Um diesen Prozess zu ermöglichen, hatten wir die Kuppel sorgfältig vorbereitet, sodass sie nach der Demontage durch den Holzbauer vollständig wiederaufgebaut und in das neue Gebäude integriert werden kann.
Der Rückbau und die Kernsanierung der Baustelle an der Poststrasse 5-7 in Zürich stellten eine aussergewöhnliche technische und logistische Herausforderung dar, die mit Präzision und Fachwissen durch unsere Rückbau-Profis unter der Leitung von unserem Bauführer Philippe Käser bravourös gemeistert wurde.
In den kommenden Monaten wird der Fokus auf der Wiederherstellung der Infrastruktur und der Integration modernster Technologien liegen, um das Gebäude den aktuellen Anforderungen anzupassen und es in seiner vollen Pracht zu präsentieren. Mit dem Fortschritt des neuen Innenausbaus wird unsere Arbeit zunehmend unsichtbar. Einzig die beiden erhaltenen Treppenhauswände werden als stille Zeugen der Veränderungen und der Sorgfalt, mit der wir den Rückbau durchgeführt haben, an unsere Arbeit erinnern.